Haltung. Was definiert Haltung? Wo fängt Plattitüde an und wo verliert man sich in Ritualen? Sind alle Gedanken gedacht? Ist Sinnsuche also eher Meditation als Forschung? Ist es Menschenpflicht oder intellektuelle Leidenschaft, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen? Wer oder was ist der Grund auf den man gehen könnte und was wäre die Erkenntnis, wenn man alle Erkenntnisse gewonnen hätte? Ist es altmodisch, Fragen zu stellen, wenn man doch alle Antworten googeln kann? Und wenn es altmodisch ist, was ist dann gerade in Mode? Ist Kunst Mode oder ist Kunst Kunst? Welchen Wert hat Kunst, die ihrem Selbstzweck dient oder ist jede Kunst Mittel zum Zweck? Welcher Zweck heiligt welches Mittel? Ist Kunst obsolet, weil sie oder wenn sie nur eine kleine Gruppe erreicht? Ist Allgemeingültigkeit das Ziel; spricht es für oder gegen die Allgemeinheit, sich dieser Illusion zu entziehen, oder ist es ohnehin ein Allgemeinplatz, weil Teilhabe nur eine Theorie ist? Ist der Begriff der Eliten eine Erfindung der Eliten und wenn es sie doch gibt, was bemächtigt sie zu elitärem Denken? Sind Museen und Galerien, Theater und Filmwerkstätten, Ateliers und Schreibstuben Verschwendung von Lebensraum, definiert sich an solchen Orten der selbstbestimmte Mensch, oder ist es unnützer Schnickschnack einer gelangweilten Lackschuhclique und von ein paar selbstverliebten Zampanos? Gefallen wir uns darin dazuzugehören oder konsumieren wir Kultur zur Erkenntnisgewinnung? Ist es vielleicht einfach egal, weil sich Kultur einer eindeutigen Begriffsbestimmung verweigert? Was meinen wir, wenn wir von der Verteidigung der Kultur sprechen? Kann man überhaupt etwas verteidigen, das sich in einem dauernden Wandel befindet? Warum bewahrt man, anstatt zu zerstören, wo doch erst aus dem Chaos Neues entsteht? Ist Kunst in diesem Zusammenhang Rummelplatz oder Labor – und was sind dann die Künstler, Schausteller oder zur Schau-Gestellte, Laborratten oder Wissenschaftler? Spielt es überhaupt eine Rolle welche Rolle man spielt, wenn man eben keine Rolle spielt, sondern das Leben lebt? Sind diese Fragen schon Tausend Mal gestellt worden und wenn ja, sind sie trotzdem noch relevant? Ist es verantwortungsvoll oder naiv, kritisch zu sein? Ist das Leben zu kurz dafür, oder ist es dekadent, einfach nur zu sein? Reicht es informiert zu sein oder verlangt Information auch nach Handlung? Wenn Kunst Spiegel ihrer Zeit ist, sind dann jene Positionen zeitlos, welche die Eitelkeiten nicht bedienen? Reicht bloße Oberfläche, weil Inhalte der Blöße im Wege stehen, oder sind Inhalte die Fläche auf der die Sinne spazieren gehen? Mach ich mir zu viele Gedanken und wenn ja, wie viele davon sind gerade genug? Geht es in Wahrheit darum: „Sehe ich gut aus; steht mir das Hemd; trinke ich Bier, trinke ich Wein; geh ich morgen zum Sport; warum guckt die so; muss ich diese Bilder verstehen oder kann ich auch ohne Erkenntnisgewinn nach Hause gehen?“ Ist Belanglosigkeit wichtig und wenn man sagt: „Bestimmt!“, wer sagt dann, was belanglos eigentlich ist? Fängt soziales Gewissen genau an diesem Punkt an – und was zum Teufel hat das mit Kunst zu tun? Kann Kunst überhaupt sozial gedacht werden oder ist es ihr Markenkern, asozial zu sein? Warum streitet und prügelt sich dann niemand in einer Ausstellung? Ist es ein Etikettenschwindel wenn man von Leidenschaft redet und Karriere meint, oder ist Kunst Performance und Authentizität das Etikett, und bedeutet dann Etablierung, Tod oder Geburt? Warum nimmt man es hin, dass man etwas nicht versteht? Ist das die Beschreibung von Freiheit, zu begreifen, dass man selbst begrenzt ist? Ist Kunst frei, sollte sie es sein oder ist es nur eine romantische Idee, komplett unabhängig zu denken? Wenn es keine wahre Unabhängigkeit gibt, weil es des Publikums bedarf, worauf sollte man sich dann berufen? Auf den Applaus und die Lobhudelei oder auf das Scheitern und die Selbstzweifel; bedingt das eine das andere oder sind beide Seiten doch vereint darin, der Langeweile die Stirn zu bieten. Worauf also berufen, wenn die Verortung abgeklopft wird? Vielleicht geht es doch und überhaupt nur darum, irgendeine Haltung zu irgendetwas zu haben! … ?

© Kai Savelsberg 2015